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Feste, Festivals und Feiertage in Frankreich

Im gesamten französischen Kalenderjahr finden sich große, nein, weltberühmte Feste und Feiertage, internationale, die in so vielen Ländern begangen werden, dass sie Völker verbindend sind, dann wiederum gibt es regionale Spezialitäten, die so fest mit einem Landstrich oder einer Stadt verbunden sind, dass sie deren Charakter entscheidend formen. Es gibt große bretonische und keltische Feste oder auch Feste der Roma.

Natürlich wird in Frankreich Weihnachten mit Weihnachtsmärkten im Elsass und Silvester mit Böllern und Schlemmereien gefeiert, gefolgt vom großen Saisonstart in den zahlreichen Skigebieten in den Pyrenäen und Alpen, der Tag der Arbeit am 1. Mai ist in Frankreich mindestens so wichtig wie bei uns, aber der allerwichtigste Termin ist der Nationalfeiertag.

Am 14. Juli in Frankreich

Der 14. Juli als Französischer Nationalfeiertag geht im Kern zurück auf den Sturm auf die Bastille im Jahre 1789. Im revolutionären Frankreich des ausgehenden 18. Jahrhunderts sind viele Dinge blutig ausgefochten worden, die uns, der Aufklärung, dem modernen Europa letztendlich zugute gekommen sind.

Frankreich ist an diesem Sommertag in Festtagsstimmung, die Leute haben frei in französischen Städten finden in den Nächten um den Tag Volksfeste statt, die französischen Botschafter auf der ganzen Welt lassen sich nicht lumpen und auf der Champs-Élysées von Paris findet eine große Militärparade statt, an der auch Verbündete Frankreichs teilnehmen, was schon zu der einen oder anderen strittigen Situation geführt hat.

Feste, Festivals und Feiertage in Frankreich

Feste, Festivals und Feiertage in Frankreich ©iStockphoto/Nikada

Da zur französisch-deutschen Freundschaft auch eine enge militärische Kooperation (Deutsch-Französische Brigade, Eurokorps) gehört, waren 1994 erstmals deutsche Fahrzeuge bei der Parade, was angesichts der Geschichte der beiden Ländern zwar ein starkes Zeichen für die Versöhnung war, andererseits aus irgendwie verständlichen Gründen in beiden Ländern nicht nur Sympathien erntete.

Paraden sind eh doof. Wer am 14. Juli in Frankreich weilt, sollte seine Zeit nicht im Pariser Zentrum verplempern, in jeder Kleinstadt und um jedes Natur- und Kulturwunder des Landes gibt es eine besinnlichere, festlichere Stimmung.

Braderie de Lille

Im hohen Norden Frankreichs, findet in jedem September die Braderie von Lille statt, ein Volksfest, das zugleich ein gigantischer Flohmarkt ist. „Braderie“ leitet sich vom flämischen Wort für „Braten“ ab und so brät und brutzelt es gewaltige Mengen. Berge von Muschelschalen sind ein kennzeichnendes Merkmal dieses Festes, das auf nahezu den kompletten Bürgersteigen der Stadt veranstaltet wird und eine viele hundert Jahre lange Tradition besitzt. Also – erstes Wochenende im September: Lille besuchen!

Carnaval de Nice

Auch Frankreich hat seinen Karneval, und der findet in Nizza statt, an der Côte d’Azur. Im Februar lassen sich hier deutsch-französische Unterschiede studieren. In Nizza wohnt man einem bunten Umzug von bezahlten Tribünenplätzen bei, man schaut dem Karneval quasi zu, das Treiben hat aber einen großen mediterranen Charme, es gibt eine Blumenschlacht – und wer schon einmal nüchtern Kamelle an die Rübe bekommen hat, der weiß das durchaus zu schätzen.

Nice Jazz Festival

Ebenfalls ein absolutes Highlight und ebenfalls in Nizza: das große Jazzfestival. 1948, die Vinyl-Langspielplatte kam gerade zur Welt, gut 20 Jahre vor der großen Premiere in Montreux, wurde in der südfranzösischen Hafenstadt eines der frühesten Jazzfestivals überhaupt etabliert. Der große Krieg war vorbei, die in Europa stationierten amerikanischen Soldaten hatten ihre Musik mitgebracht und nach Nizza kamen in den folgenden Jahrzehnten eigentlich alle, die Rang und Namen haben und sorgten auch hier dafür, dass Jazz zur Klassik des 20. Jahrhunderts wurde.

Fête des Lumières

Lichtkunst ist inzwischen in zahlreichen Großstädten ein beliebter nächtlicher Event, zu dem Künstler aus der ganzen Welt anreisen und Straßen und besonders Häuserfassaden magisch erleuchten lassen. An wenigen Orten hat diese Form der Unterhaltung eine ähnlich lange Tradition wie im ostfranzösischen Lyon.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wird in der inzwischen von der UNESCO zum Welterbe erklärten Altstadt am 8. Dezember das Lichterfest gefeiert. Das Fest ist ursprünglich zum Dank für das Ende einer Pestzeit initiiert worden, daraus hat sich eine Veranstaltung entwickelt, zu der wie zu einem Musikfestival Künstler aus der gesamten Welt geladen werden.

Mit Roland Jéol zählt die Stadt einen der berühmtesten Lichtkünstler zu ihren Söhnen. Der Mann hat in Lyon seinen Plan Lumière umgesetzt und so werden das ganze Jahr über mehrere hundert historische und wichtige Gebäude der Metropole erleuchtet.

Festival de Cannes

Weltberühmt und sicher eines der wichtigsten seiner Art sind die Internationale Filmfestspiele von Cannes, wiederum an der Côte d’Azur. 1946 aus der Taufe gehoben, ist der Wettbewerb um die Goldene Palme heute ein knapp zweiwöchig im Mai geöffnetes Pilgerziel, zu dem zieht, wer im Filmgeschäft gut ist, was zu sagen hat, was werden oder einfach nur eine total Welt erleben will.

Festival d’Avignon

Was für den Film Cannes, ist für das Theater das Festival d’Avignon. Der alte Papstsitz im Süden Frankreich ist zu jeder Jahreszeit traumhaft schön, in drei Juliwochen kommen seit 1947 die Tänzer, Regisseure, Schauspieler und Dramaturgen. In den alten Palästen und Höfen und auf Straßen gibt es dann Aufführungen, die Stadt wird ein Zaubergarten, wer hier eine Nacht war, wird das nie wieder vergessen.

Fête de la Musique

Ein besonderer Tag, der eigentlich international gilt, aber besonders in Frankreich und vielleicht noch der Schweiz von besonderer Bedeutung ist, ist die Fête de la Musique. In den frühen 80ern des 20. Jahrhunderts von dem französischen Kultur- und Bildungspolitiker Jack Lang initiiert, hat sich die Fête als Tag der selbstgemachten Musik von Paris aus über das ganze Land verbreitet, inzwischen wird sie auch in zahlreichen deutschen Städten begangen.

Am 21. Juni, also dem kalendarischen Sommeranfang, wird besonders in den großen Metropolen Straßenmusik gemacht, und dabei wirklich jedes Genre bedient. Es gibt nichts, was es nicht gibt und es darf, was gefällt.

Tour de France

Sie ist die in fast jeder Hinsicht längste Veranstaltung, eines der berühmtesten Sportevents überhaupt: die Tour de France. 1903 von einem findigen Journalisten ins Leben gerufen, ist die große Schleife längst ein Heiligtum. Es gibt nur wenige Sportveranstaltungen, bei denen ähnlich absurde körperliche Leistungen vorausgesetzt werden, die Tour steht geradezu sinnbildlich für die Probleme, die ein denkender Mensch mit dem Leistungssport haben muss und die Schizophrenie, in die ihn die Begeisterung zwingt, wenn er sich nur eine kurze Zeit mit ihr beschäftigt.

Die Tour de France ist eine Veranstaltung für Helden und eine, bei der sich schon große Dramen abgespielt haben, für sie fahren sich hunderte von Männern die Hintern wund, lassen sich die Haut vom Körper raspeln, verbrennen sich, stürzen, stehen wieder auf, rasen mit unverantwortlicher Geschwindigkeit in Täler hinab, über Kopfsteinpflaster und Alpenpässe durch sie bepöbelnde Menschenspaliere hindurch. Wer nicht zum großen Tross gehört, muss den Besuch der Tour de France strategisch planen, man lernt mit der Erfahrung, hat aber den Vorteil, dass die Streckenführung jährlich geändert wird und jedes Mal auch landschaftlich neue Impressionen hinzukommen.

Grand Prix automobile de Monaco

Die gehören ja eigentlich nicht dazu, die Monegassen, aber im Grunde schon: lange galt die Regel, dass das kleine Steuerschlupfloch am Meer an Frankreich fällt, sobald die alte Piratendynastie der Grimaldis einmal keine Nachfolger mehr hat. Inzwischen ist man aber überein gekommen, dass man den Millionarios ihre Appartementbatterie lässt, auch wenn das Fürstengeschlecht nicht mal mehr die Regenbogenpresse füttert.

Dafür gibt es – quasi in Frankreich – einen weiteren Formel-1-Grandprix, wahrscheinlich den schillernsten überhaupt. Überholt wird eigentlich nicht, dafür haben die Fahrer mit permanenten Lichtwechseln zu kämpfen und gegen die Versuchung, ihre Bolliden auf eine der Yachten im vorbei fliegenden Hafen zu setzen. Es ist denkbar, dass irgendwann die Grandprix nahezu komplett aus Europa verschwinden, der aber wird bleiben.