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Paris

Paris ist und bleibt in vieler Hinsicht das wichtige Zentrum Kontinentaleuropas. Die Metropole an der Seine hat nicht nur gewaltige Ausmaße, einige der weltweit bekanntesten Baudenkmäler, sie ist auch das, was man schlicht als schön bezeichnen kann, eine stolze Schönheit, manchmal ein wenig arrogant, aber sie weiß, was sie darf, und das macht sie schon lange so.

Die Seine schlängelt sich durch das Pariser Becken, eine weite Landschaft, auf einer der Inseln des Flusses, der Île de la Cité (die Landschaft ist nach der Stadt benannt und nicht andersrum), auf der heute unter anderem die gewaltige Kathedrale Notre Dame steht, ist das Urparis gegründet worden.

Parallel dazu gibt es natürlich reichlich Mythen um die tatsächliche Gründung der Stadt, schon im Mittelalter versuchte man, Analogien bis ins alte Griechenland zu stricken. So etwas fundiert Herrschaftsansprüche und ist in nahezu allen europäischen Machtzentren praktiziert worden.

Tatsächlich ist auf dieser wenige Hektar kleinen, aber durch den Fluss gut geschützten Seine-Insel wenige Jahrhunderte vor Christus eine Siedlung gegründet worden, und zwar von einem keltisch-gallischen Stamm namens Parisier bzw. Parisii, der, das wissen wir aus der römischen Geschichtsschreibung, seine Hauptstadt Lutetia nannte (eigentlich wissen wir das von Asterix und Obelix).

Paris

Paris ©iStockphoto/Luboslav Tiles

Als Julius Cäsar in den letzten Jahrzehnten vor der Zeitenwende seine großen gallischen Kriege führte, fiel einem seiner Offiziere auch Lutetia in die Hände und die Römer fügten am Ufer der Seine ihren Teil zu Paris bei. Wenn man Historikern folgt, war Paris zunächst nicht besonders wichtig, lag aber früh an einem wichtigen Knotenpunkt von Fernhandelswegen, über die im dritten Jahrhundert dann auch das Christentum in die Stadt kam.

Paris hat einen Stadtmärtyrer, den heiligen Denis von Paris, der im Auftrag des Papstes unterwegs war und in Paris von den Römern enthauptet wurde, daraufhin seinen Kopf aufnahm, den erst einmal sauber machte und dann damit an einen mehrere Kilometer entfernten Platz gelaufen ist, an dem man etwas später eine nach ihm benannte Kathedrale errichtete, darum herum eine nach ihm benannte Stadt entstehen ließ und in der Kathedrale viele der französischen Könige beerdigte: in Saint-Denis.

Ab dem vierten Jahrhundert wurde Paris zu einem mächtigen, militärisch wichtigen Zentrum, die Römer hatten einigen Ärger mit den Germanen und konzentrierten sich sehr auf den Norden ihres Reiches. In der Zeit setzten sich die Christen allmählich durch und die merowingischen Franken vertrieben die Römer aus der Region.

Nicht weit von Paris entfernt schlug eine frühe europäische Koalitionsarmee Attila und seine Freunde, aber Paris war noch nicht das magische Zentrum. Das zeigte sich vor allen Dingen in der Herrschaftszeit der Karolinger angefangen mit Karl dem Großen, die ihre Pfalzen an anderer Stelle aufsuchten.

Dafür zeigten die No-No, die No-No-Normannen bzw. Wikinger im späten ersten Jahrtausend wiederholt Interesse an der Stadt und kamen die Seine hinauf, mehrere Runden brand zu schatzen. Im zehnten Jahrhundert war es dann Hugo Capet, der die Macht übernahm, Paris die Rolle gab, die Paris zusteht und mit den Karpetingern ein Geschlecht gründete, das für annähernd 900 Jahre in Frankreich ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hatte.

Die Stadt ging durch allerlei Katastrophen, wurde von Pest heimgesucht, hungerte aus, brannte aus, musste neu befestigt werden, wurde überschwemmt, im 12. Jahrhundert legte man den Grundstein für die noch heute gültige Hauptkirche Notre-Dame. Auch eine Universität, die Sorbonne, folgte bald, Paris mauserte sich zu einem Ort, an dem Wissen ausgetauscht und Intellektuelle nicht sofort verbrannt wurden. Dafür aber die Templer. Jacques de Molay, der letzte Großmeister des Ordens, wurde direkt an der berühmten Pont Neuf verbrannt. Ohnehin hat man es religiösen Abweichlern in Paris mehrfach nicht gerade leicht gemacht. Später, in der Bartholomäusnacht 1527, wurden mehrere 1.000 Hugenotten in der Stadt hingerichtet.

Und dann hatte man im 14. und 15. Jahrhundert noch dieses hundert Jahre währende Problem mit den Briten, deren burgundische Partner eine Weile die Herrschaft in der Stadt übernahmen, im 17. Jahrhundert begann dann die große Zeit der Ludwigs. Kunst hatten die Herrscher von Paris schon früher gesammelt, jetzt schufen sie selbst in einem Ausmaß, das bis dahin unbekannt war.

Ludwig der XIV baute unglaublich prächtig, praktisch, modern, dann aber auch wieder absurd und absolut größenwahnsinnig Paläste, Gärten, Prachtstraßen, Plätze, neue Kirchen, irgendwann verdrückte er sich dann nach Versailles.

Dem absolutistischen Treiben wurde im späten 18. Jahrhundert im Paris ein jähes Ende gesetzt. Die Revolution war ein wegweisendes Ereignis, das wichtige Dinge zur Folge hat, aber in vielen Momenten so gnadenlos und brutal gewesen sein muss, dass man sich fragt, ob das heute noch möglich wäre und wirklich notwendig war. Vermutlich war es notwendig.

In dem ganzen Durcheinander stieg ein Mann zunächst militärisch und dann zu gigantischer Größe auf: Napoleon Bonaparte, ein Soldat aus Korsika, wurde zum ersten Konsul Frankreichs und zog von Paris aus, Europa und Nordafrika zu erobern. Das ging nicht gerade gut und so waren seine Gegner 1814 und 1815 gleich zweimal mit Armee in der Stadt. Im 19. Jahrhundert wechselten sich Restaurierungsbestrebungen der Macht und revolutionäre Stimmungen und Strömungen gegenseitig ab, Mitte des Jahrhunderts gab es in ganz Europa Revolutionen und in Frankreich beendete man die Monarchie, nur um danach wieder einen Kaiser zu kriegen.

Im deutsch-französischen Krieg, der finale Zug in einer Reihe kriegerischer Konflikte, die Preußen in einem deutschen Kaiserreich aufgehen lassen sollte, wurde Paris wieder einmal besetzt. Darauf folgte die Pariser Kommune, ein demokratisches Verwaltungsexperiment, das mit brutalsten Mitteln von den französischen Machthabern in Paris niedergeschlagen wurde.

Gleichzeitig wurde Paris bereits im späten 19. Jahrhundert ein guter Ort für jene Künstler, die die guten Seiten des 20. Jahrhunderts prägen sollten. Man spricht von der Belle Époque, in der die Malerei, Architektur, Literatur und Musik in Pariser Salons und auf den Boulevards erblühten, Künstler ein ganz neues Verständnis ihrer Arbeit entwickelten.

Die deutsche Armee besetzte Paris im Juni 1940. Es gibt die Legende, dass die Nationalsozialisten die Metropole beseitigen lassen wollten und dann aber doch im Anblick der Größe und Schönheit kniffen, es spräche nicht für Paris, wenn diese Stadt diese Verbrecher bezaubert hätte.

Aber schön ist sie allemal.

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